Aus 70 Pickerln am Straßenrand wurde eines der innovativsten Kunstprojekte des Landes – zumindest sah das die Jury des Bank Austria Kunstpreises so. Projekt Ingeborg wird mit dem wichtigsten und höchst dotierten Kunstpreis Österreichs gewürdigt. Aus dem Netzkulturprojekt wird nun ein Internet-Start-up, das die Idee der lustvollen Entdeckung von Kunst global verbreiten möchte. Außerdem neu: In Salzburg und Weimar startet das Projekt in Kürze.

PDF-Download hier, Pressefotos hier. Datum: 21.02.2014.

WIEN, KLAGENFURT. Im Juli 2012 starteten Bruno Hautzenberger und Georg Holzer ihr kleines, privates Kunstprojekt. Sie machten Klagenfurt, das keine Stadtbibliothek hat, kurzerhand zur Bibliothek. Mit exakt 70 Stickern wollten sie außerdem darauf aufmerksam machen, dass das Urheberrecht viel zu lange gilt (bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Autors). „Warum wir pingeb.org gestartet haben? – Weil wir es können“, erinnert sich Hautzenberger. Schnell wurde den Initiatoren aber bewusst, dass hier Infrastruktur entstanden ist. Infrastruktur, die seit August 2012 dazu genutzt wird, Künstlerinnen und Künstler (meist Autoren und Musiker) aus Klagenfurt in Klagenfurt bekannter zu machen.

Die mittlerweile 200 Sticker sind mit NFC-Tags und QR-Codes ausgestattet und führen mithilfe von Smartphones zu versteckten Inhalten im mobilen Web. „Wir wollen, dass der Nutzer etwas machen muss, weil dadurch der kostenlose E-Book-Ausschnitt oder Song mehr geschätzt wird“, erklärt Holzer. pingeb.org sorgt Woche für Woche für neue, lustvolle Entdeckungen im öffentlichen Raum.

Welche Wellen Projekt Ingeborg geschlagen hat, zeigt sich heute. pingeb.org wird als erstes reines Netzkulturprojekt mit dem Bank Austria Kunstpreis, dem wichtigsten und höchst dotierten Kunstpreis Österreichs, ausgezeichnet. „Unsere Freude ist unbeschreiblich. Diese Auszeichnung zeigt uns zudem, dass in dieser Idee und unserem Projekt noch viel Potenzial steckt“, meint Holzer.

Bald auch in Salzburg und Weimar

Die lustvolle Entdeckung der jeweils lokalen Kunstszene gibt es neben Klagenfurt mittlerweile auch in Graz und Villach. Demnächst geht das Projekt mit unabhängigen Teams auch in der Mozart-Stadt Salzburg und in der Goethe-Stadt Weimar an den Start.

„Jeder kann so etwas beginnen und wir helfen dabei“, meint Hautzenberger. Die Software dazu, ein einfaches Plugin für WordPress, steht unter einer OpenSource-Lizenz kostenlos zur Verfügung. Wer sein Projekt unter dem pingeb.org-Label starten möchte, dem greifen die beiden Klagenfurter auch mit kostenlosem Hosting und – soweit möglich – mit Stickern und NFC-Chips unter die Arme.

Als xamoom dann global

Der nächste Schritt ist – heute fast ein NoNa – ein Start-up. Holzer und Hautzenberger wollen ihr Konzept global verbreiten und haben dafür schon „die eine oder andere Idee“.

Aktuell läuft die Bewerbung um Aufnahme im akademischen Inkubator der Alpen Adria Universität Klagenfurt, dem „Gründerzentrum build“. „Die Chance, dass das Projekt aufgeht, ist definitiv da und wir müssen es einfach probieren“, zeigt sich Holzer optimistisch. Beide Gründer sehen neben dem beträchtlichen Preisgeld im  Bank Austria Kunstpreis vor allem einen Türöffner. Dies wird möglich, indem es nun viel Aufmerksamkeit und Anerkennung „für zwei einfache Geeks“ gibt.

Eines ist den beiden aber klar: Der an Ingeborg Bachmann erinnernde Name pingeb.org ist global nicht kommunizierbar. Das Start-up wird daher xamoom (www.xamoom.com) heißen. Und auch sonst gibt es noch jede Menge Arbeit. „Wir müssen die Software komplett neu schreiben. Derzeit funktioniert das Hobbyprojekt zwar, es ist aber weit von dem entfernt, die Basis für einen globalen Dienst zu sein“, so Hautzenberger.

 Pressefotos: http://pingeb.org/presse | Rückfragen: Georg Holzer 0680-200 90 30


Über Projekt Ingeborg (kurz: pingeb.org):
Georg Holzer (ehemals Journalist und Autor) und Bruno Hautzenberger (Softwareentwickler) initiierten das Netzkulturprojekt. Es wurde aus einer simplen Frage geboren: Was lässt sich mit dem mobilen Web machen? Projekt Ingeborg erhält keinerlei öffentliche Subventionen und trägt sich aus Eigenmitteln. pingeb.org gewann beim netidee-Wettbewerb und wurde zum Teil aus Mitteln der Internet Privatstiftung Österreich (Betreiber des Domain-Registrars nic.at) finanziert. Seit Juli 2012 konnten mehr als 4000 Kostproben künstlerischen Schaffens vorgestellt werden.